
Dieses letzte Buch, das im Russischen „Die letzte Wache“ heißt, kam nach dem Film von Timur Bekmambetov heraus, und – was soll man da sagen, man merkt diesem Buch deutlich die Ermüdung an. Erstens weil Anton bereits im Buch zuvor die fast höchste Magierstufe erreicht hat, und in diesem Buch einfach keinen Platz mehr zum Weiterentwickeln hat. Zweitens, weil mir die Idee von angeheuerten Schlägern mit Zauberamuletten nicht behagt – ein Buch zuvor war es eine Ungeheuerlichkeit, wenn Menschen von Anderen Wind bekämen, und hier ist es quasi gang und gäbe.
Zweitens sind die Geschichten in Edinburgh und Samarkand vermutlich durch eigene Eindrücke beim Reisen entstanden, jedoch vermisst man darin eine profunde Vertrautheit, die man im Moskauer Großstadtdschungel der Bücher zuvor zu lesen bekam. Man fühlt sich wie Tourist – oder schlimmer, wie James Bond in einer schönen Kulisse, aber es bleibt oberflächlich.
Doch gibt es auch positives. Auch gewohnter trockener Humor von Lukianenko kommt nicht zu kurz, vor allem bei Erinnerungen an Szenen aus dem Film von Timur Bekmambetov, die die Charaktere „geträumt“ haben – und Anton prompt auf ein paralleles Universum schiebt. Das Mittelasien als Schauplatz gibt auch Grund für so einige an humorvollen Szenen, wie die Samarkander Nacht- und Tagwache, die nebeneinander im gleichen Gebäude sitzen und nicht mal die trennende Tür abschliessen. Aber auch abgesehen vom Humor gibt es einige vertraute Lukianenko-Momente, bei denen ein Schauer unter die Haut geht. Die Fahrt durch die Wüste in einem Jeep und der Besuch auf dem Plateau, wo einst Lichte Zauberer einen verbotenen Zauber losgelassen haben, und ein Heer von Dunklen lebendig zu Stein verwandelten – ohne sie jedoch zu töten - ist das, was von diesem Buch im Gedächtnis bleibt.
Urteil: Schwächstes Band der Tetralogie. Irgendwie scheint die Luft langsam auszugehen.
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