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Interview

Sergej Lukianenko

"Schreib, wie du es für richtig hältst"
von Olga Smirnowa
Übersetzung: Peter Klassen, 01.07.2007

Dieses Interview hat Sergej Lukianenko der russischen Zeitschrift Ruskino gegeben. Darin redet er über seine Erfahrungen als Drehbuchautor für die Verfilmung, über Verfilmungen seiner weiteren Bücher sowie darüber, wie die Arbeit am Film die "Wächter"-Bücher beeinflußt hat.

F: Sergej, jedermann weiß, dass Sie Drehbuchautor von "Wächter der Nacht" waren. Ist das Ihre erste Erfahrung als Drehbuchautor?

A: Ja, die erste. Vorher hatte ich nie etwas mit Drehbüchern zu tun. Hoffentlich hat es mir gelungen.

F: Was, Ihrer Meinung nach, ist der größte Unterschied zwischen einem Buch und einem Drehbuch?

A: Ein Schriftsteller hat erheblich mehr Werkzeuge. Wenn ich schreibe, kann ich die Gedanken des Helden mitteilen, ich kann lyrische Abschweifungen machen, und den Leser dennoch gespannt halten. Im Kino ist alles anders. Im Kino muss man zeigen, man muss visualisieren. Man möchte keine sprechenden Köpfe haben. Es ist sehr schwer – manchmal möchte man, dass die Charaktere sich hinsetzen und miteinander reden. Das gelingt nicht immer. Früher dachte ich, im Buch ist alles so visuell und deutlich – dem ist aber nicht so.

F: Welche Szene aus "Wächter der Nacht" war am schwierigsten zu schreiben?

A: In Wirklichkeit, so komisch wie es klingt, war es die erste Szene – der Besuch bei der Hexe. Die Szene stammte aus dem Buch "Wächter des Tages", und in diesem Buch bekommt die Hexe Besuch, aber nicht von Anton, sondern von irgendeiner einfachen Frau. Es war schwer, das auf Anton umzumünzen, wenn man weiß, dass es die erste Szene des Films ist und besonders stark ist: sie prügelt auf den Zuschauer ein, zwingt ihn, auf die Leinwand zu schauen. So wurde es zu einem Besuch der Hexe durch den positiven Helden, der plötzlich einer schrecklichen Sache einwilligt – der Ermordung eines Kindes. Wegen dieser Szene mussten wir den ganzen Helden neu definieren, denn wenn er zur Hexe kommt und so einfach sagt "Also gut, bringen wir das Kind um", ist es ein anderer Mensch, anders als im Buch. Deswegen wurde unser Held ganz anders, aber auch sehr interessant und eigentümlich.

F: Sergej, haben Sie spezielle Literatur über Drehbuchschreiben studiert, bevor Sie mit dem Drehbuch anfingen?

A: Nein.

F: Und keiner hat Ihnen geholfen?

A: Ich hatte mich etwas mit Freunden unterhalten, die schon so was gemacht haben. Dann haben wir mit Timur Bekmambetov viel geredet. Diese Kommunikation hat mir sehr geholfen. Timur, als Regisseur und Profi, erklärte mir sehr vieles: was man was tut, und was genau er von mir bekommen will. Aber im Prinzip – nein. Ich habe auch nie gelernt, wie man Bücher schreibt, habe keine Literatur-Uni oder so etwas besucht. Ich habe nie gelernt, Drehbücher zu schreiben und habe keine Drehbuchkurse besucht. Ich glaube, entweder ein Mensch kann etwas machen, oder es wäre sinnlos zu versuchen, es ihm beizubringen.

F: Nun ist es kein Geheimnis mehr, dass Sie einen Vertrag mit 20th Century Fox unterschrieben haben, um das Drehbuch zu "Wächter der Nacht 3" zu schreiben. Sie würden mit einem amerikanischen Kollegen mitarbeiten. Ist es schon bekannt, mit wem?

A: Noch weiß ich es nicht. Es wurde nur eine Vereinbarung geschlossen, dass ich das Drehbuch schreibe. Ich halte das für einen wichtigen Moment, geradezu fundamental. Ein rein amerikanisches Drehbuch würde zu einer formlosen Grütze werden. Selbst bei der wohlwollendsten Herangehensweise eines amerikanischen Autors würde es ein amerikanisches Drehbuch werden.

F: Mit wem von Amerikas Drehbuchautoren würden Sie denn gern zusammenarbeiten?

A: Ich weiß es nicht. Es ist ziemlich schwer, sich von vornherein festzulegen, denn der größte Unterschied des US-Kinos von unserem Kino, und generell des amerikanischen Systems von unserem – dort arbeiten immer Profis. Bei uns ist das Schreiben eines Buches oder eines Drehbuchs ist gewissermaßen ein emotionaler Ausstoß, ein Schrei der Seele. Das hat etwas von Dostojewski, und genau das macht es für westliche Leser und Zuschauer attraktiv. Bei den Amis ist es eine abgestimmte und präzise Profiarbeit, die wissen, dass sie so und so ein Drehbuch schreiben müssen, damit die Zuschauer dann und dann folgende Emotionen empfinden. Es gibt natürlich Ausnahmen. Gerade die sind oft genial. Aber im Prinzip… Im Prinzip glaube ich, in der amerikanischen Vorgehensweise, sowohl bei Büchern, als auch bei den Drehbüchern, liegt mehr Fleiß, Erfahrung und gelernter Methodik, als bei der bloßen freien Entfaltung der Kreativität. Es ist weder gut, noch schlecht, es sind bloß zwei unterschiedliche Ansätze. Ich würde gerne mit einem Menschen arbeiten, der professionell Drehbücher schreiben kann. Ich glaube, es wäre interessant, und es würde mir etwas geben. Ich kann keine konkreten Namen nennen, da ich mich nicht an sie erinnere. Ich glaube, ein normaler Mensch behält nie die Namen irgendwelcher Drehbuchautoren, außer, es handelt sich um die Filme, die man selbst besonders liebt.

F: Das heißt, Sie haben gar nicht darüber nachgedacht.

A: Ja. Aber ich glaube, es wird in jedem Fall ein Profi sein, und es wäre eine interessante Erfahrung, zu sehen, wie er es macht.

F: Sergej, wissen Sie denn, dass es in Hollywood, und eigentlich in der ganzen Welt einen strengen Standard für Drehbuchgestaltung gibt? Eingabefelder für Namen, Dialoge, Szenenbeschreibungen?

A: Ja. Ich schrieb mein Drehbuch im speziellen Programm für Drehbuchautoren. Es ist etwas bequemer, als Word, an den ich mich gewöhnt habe. Sagen wir, eine etwas andere Oberfläche, die am Wesen aber nichts ändert.

F: Wollen Sie auch weiter mit diesem Programm arbeiten?

A: Sicher, wieso nicht?

F: Sergej, Sie haben mal in einem Interview erzählt, als Sie "Wächter des Zwielichts" schrieben, hatten Sie schon Bilder von Schauspielern aus der Verfilmung im Kopf. Wie war's beim Drehbuch zu "Wächter der Nacht"? Haben Sie sich schon irgendwelche Schauspieler für die oder die Rolle vorgestellt?

A: Nein, damals waren die Darsteller noch nicht festgelegt. Nicht mal ein Regisseur war verpflichtet.

F: Ich weiß, dass viele junge Drehbuchautoren, wenn sie schreiben, sich bereits bestimmte Schauspieler vorstellen. Es heißt, so fällt die Arbeit leichter.

A: Damals kannte ich unsere jungen Schauspieler recht schlecht. Außerdem lief da ein großes Casting, es fielen viele Namen, und ich kann nicht sagen, dass das Drehbuch speziell für Khabensky oder Friske geschrieben wurde. Aber was "Wächter des Zwielichts" angeht – ja, dort habe ich auf der Grundlage des Charakters [von Kostya], den Alexei Chadov im Film gespielt hat, geschrieben. Ehrlich, ich bin ganz begeistert, was dieser junge Schauspieler geleistet hat, und sein Spiel im Duett mit Valeri Zolotukhin [Kostyas Vater], einem unserer besten und stärksten Schauspieler aller Zeiten hat mich verblüfft und sehr erfreut. Plötzlich habe ich gesehen, dass wir diese Schauspielerschule immer noch haben, und auch die jungen Menschen, die mit der gleichen Seele, Meisterhaftigkeit und Können spielen. Ich habe mich in diesen Charakter verliebt und mir wurde klar, dass ich für ihn mehr schreiben möchte. Das heißt – Chadov ist gewissermaßen schuld daran, dass ich das dritte Buch geschrieben habe.

F: Wie war's, als Sie das Drehbuch schrieben? Haben Sie nachgedacht, wie es gedreht werden soll? Ich meine, wenn Ihnen eine Idee kommt, und dann plötzlich der Gedanke kommt "Ich schreibe das, ok, aber kann man das auch verfilmen? Reicht das Geld dafür aus?"

A: Zu Beginn der Arbeit gab es einen Moment, als ich mit dem Regisseur und den Produzenten redete. Ich sagte "Jungs, was soll ich schreiben und was nicht? Was könnt ihr machen, und was nicht? Dass hier im Bild ein Tiger ist, und hier ein Laster einen Salto über Zavulon macht. Ich sprach also solche Momente, die ich geplant hatte, an, und sagte: "Wenn ihr das nicht könnt, sagt's mir gleich, damit ich es nicht umsonst schreiben muss. Lasst uns von den Möglichkeiten ausgehen, die wir haben." Was mich in dem Moment überrascht, erstaunt und sogar etwas verwirrt hat, war ihre Aussage: "Schreib alles, was du willst. Wir versuchen, es hinzukriegen." Ich sagte: "Gut. Kriegen wir ein Gesichtsmorphing?" – "Kriegen wir hin." – "Kriegen wir Special Effects?" – "Ja." – "Welche?" – "Die, die nötig sind. Und jetzt schreib." So war's.
Es ist in der Tat wichtig, dass dieser Film nicht nach dem Resteprinzip gemacht wurde "Hier ist soundsoviel da, und da ist soundsoviel da, und jetzt geh davon aus und schreib. Hier haben wir so und so viel Geld für Special Effects, und hier noch mal so und so viel, damit im Bild der und der Schauspieler vorbeiläuft." Nein. Der Ansatz war ein ganz anderer. Schreib so, wie du es für richtig hältst. Beschreibe es, und wir versuchen es hinzukriegen. Das ist ein richtiger, ein ganz normaler Ansatz – bloß dass wir ihn lange nicht mehr im Kino gehabt haben.

F: Mußten Sie im Prozess improvisieren, etwas ausdenken?

A: Natürlich. Auch für den zweiten Film ändere ich gerade etwas, schreibe einiges neu. Da wird viel daran gearbeitet. In Wirklichkeit haben nicht bloß ich und Bekambetov am Drehbuch geschrieben, sondern auch viele andere Menschen, die in bestimmten Stufen dazukamen. Leute denken sich Dialoge und Szenen aus. Wenn im Drehprozess eine neue Idee dazu kommt, irgendein Gedanke, wie man die oder die Episode machen müsste, muss diese schnell überlegt und geschrieben, mit Dialogen, Charakteren und Emotionen gefüllt werden.

F: Also ist das erste Drehbuch keine endgültige Fassung?

A: Natürlich nicht. Es gab ca. 30 Versionen des Drehbuchs vom ersten Film. Ein Teil davon war von mir, aber als ich mich dann in einer Sackgasse fand, schalteten sich andere Leute hinzu. Unsere guten, hervorragenden, Drehbuchschreiber. Sie gaben sich sehr viel Mühe, aber es wollte einfach nicht voran kommen. Dann habe ich wieder die Arbeit aufgenommen, Timur gesellte sich dazu, und dann kam es zu einem Schlüsselmoment, als wir uns mit Timur einfach hingesetzt und besprochen haben, und versucht zu verstehen, was er will und was ich dafür tun muss. Und irgendwie ging es dann plötzlich weiter. Das heißt, es begann, zu klappen. Leider ist es eine endlose Arbeit. Leider, weil ich so gewohnt bin: ich schreibe ein Buch, gebe es dem Verleger, und das war's – es lebt von sich aus weiter. Was aber das Kino und Drehbücher angeht… Ein Film ist ein ganz anderes Kind. Ein Kind, das man hegen und pflegen muss, von Anfang an bis zum Moment, wo es in die Kinos kommt. Sogar noch bei der Synchro, oder bei der letzten Tonmischung, muss man vieles ändern, und manchmal sehr radikal. Damit muss man arbeiten, und das ist ein eigenes Genre.

F: Sergej, wir kriegen oft Anfragen von jungen Drehbuchautoren: "Ich möchte ein Drehbuch nach einem Buch eines modernen russischen Autors schreiben. Was soll ich zuerst tun, mich mit dem Autor absprechen, oder schon mal zu schreiben, und die Rechteverhandlungen den Produzenten überlassen?" Was können Sie ihnen, als moderner russischer Autor, sagen?

A: Verstehen Sie, die Situation ist so. Wenn zu mir mal ein junger anfangender Autor kommt und sagt "Ich möchte ein Drehbuch nach Ihrem Buch schreiben", werde ich mit den Schultern zucken und sagen "Mach doch, wer hindert dich daran?" Aber sobald es um eine Verfilmung geht, werden dann natürlich langweilige bürokratische juristische Diskussionen beginnen: wie man dies und das gestaltet, wie man das macht. Ich denke, hier sind alle Varianten möglich. Das heißt, es kann ein wirklich talentierter junger Mann mit einem Drehbuch daherkommen, dass die Produzenten bei ihm Schlange stehen werden, und die Regisseure sich um das Recht, dieses Buch zu verfilmen, prügeln werden. Und der Autor wird sein Buch mit Freude diesem Jüngling zur Verfilmung weggeben. Keiner hindert irgendjemand daran, irgendwas zu machen. Alle können ein Drehbuch schreiben, solange es ein Drehbuch ist und kein Film – sondern eine Art Arbeitsversion. Warum nicht?

F: Sergej, hatten Sie sich schon mal überlegt, keine Adaptation, sondern ein Originaldrehbuch zu verfassen?

A: Habe ich. Vielleicht mache ich das irgendwann. Irgendwann sagte man zu mir einen sehr guten Satz und ich freute mich darüber sehr: "Du kannst davon ausgehen, dass du einen neuen Beruf erlernt hast - Drehbuchautor. Denn es ist ein anderer Beruf, und du hast alles richtig gemacht." Und ich bin froh darüber, denn ein Drehbuchautor ist zwar nah dran, aber doch etwas ganz anderes, als ein Buchautor zu sein.

F: Viele denken, dass Sie die Drehbücher zu den Büchern schreiben, die demnächst verfilmt werden – dem ist es aber nicht so.

A: Nach der Arbeit am Script von "Wächter der Nacht" habe ich es abgelehnt, Drehbücher für andere Verfilmungen meiner Bücher zu schreiben. Es wurden Verfilmungsrechte an zehn oder zwölf meiner Bücher verkauft, und die meisten dieser Verfilmungen werden natürlich nicht sofort realisiert. Das waren, sagen wir, theoretische Investitionen mehrerer Studios. Für die Zukunft. "Wenn Channel One was dreht – kaufen wir auch mal was, für alle Fälle." Ich glaube, das war ihre Denkweise. Irgendwas kommt schon dabei rum. Demnächst beginnt die Verfilmung der Erzählung, die wir mit Juli Burkin geschrieben haben: "Heute, Mama!" Und es beginnt die Arbeit am Buch "Keine Zeit für Drachen", das war unser gemeinsames Projekt mit Nik Perumow. Ich finde, es werden interessante Filme. Aber die Scripte stammen da von anderen. Ich habe gleich gesagt, dass ich da kein Interesse habe, denn es ist einfacher für mich, Bücher zu schreiben. Und interessanter.

F: Wie stehts mit der "Tiefe"? [Anm: erfolgreiche Cyberpunk-Reihe von Sergej Lukianenko "Labyrinth der Spiegelungen", "Falsche Spiegel" und "Durchsichtige Glasmalereien"]

A: Dafür gibt es ein meiner Meinung nach hervorragendes Drehbuch von Michail Chleborodow. Er hat eine Sache erschaffen, die die Fans des Buchs sehr erfreuen wird. Dieser Film, wenn er fertig wird, wird dem Buch seinem Geist und Basis nach sehr nahe sein. Allerdings, teilweise wegen dem Erfolg von "Wächter der Nacht", teilweise wegen dem aufkommenden gemeinsamen Projekt mit den Amerikanern, wegen des ganzen Wirrwarrs, wurde das Projekt "Die Tiefe" verschoben. Es sollte eigentlich schon im letzten Herbst losgehen.

F: Ist es bekannt, wer den "Pechvogel" spielen soll?

A: Ich möchte nicht alle Namen nennen, die ich kenne. Ich weiß genau, dass der "Schütze" von Gosha Kutsenko gespielt werden soll [Anm: "Ignat" aus "Wächter der Nacht"]. Es ist geplant, viele amerikanische Schauspieler an Bord zu holen. Es gibt ernsthafte Ideen über das Projekt. Aber solange er nicht gestartet ist, möchte ich mich nicht dazu äußern.

F: Es war ursprünglich geplant, dass "Wächter der Nacht" eine TV-Serie werden soll. Hat man diese Idee verworfen?

A: Ich hoffe, dass es auch zu einer Serie wird. Es wurde sehr viel Material gedreht, und der Film hat gerade mal ein Drittel davon drin. Selbst auf der erschienenen Sammleredition, wo es 30 bis 40 Minuten Zusatzmaterial gibt, ist nur ein kleiner Teil von dem enthalten, was gedreht wurde. Ich denke, man kann auf dieser Basis auch eine Serie machen. Ich fände es gut. Ich hoffe, das wird noch gemacht.

F: Alle kennen die phantastischen Serien aus dem Westen: Babylon 5, Akte X, Twilight Zone, Outer Limits. Würden Sie auch gerne eine russische Serie in diesem Format sehen?

A: Ich muss ehrlich sagen – ich hätte gerne eine Serie, die lange dauern und sich ständig entwickeln würde. Ich würde mich ehrlich freuen. Ich finde, auch aus "Wächter der Nacht" könnte man so eine Serie machen. Außerdem habe ich noch andere Bücher, die ich für viel gelungener halte.

F: Wäre es nicht besser, die Kurzgeschichten zu verfilmen?

A: Meiner Meinung nach, eignen sich Kurzgeschichten eh besser für Verfilmungen. Eine Kurzgeschichte lässt dem Regisseur fast immer die Freiheit, etwas anderes hinzuzufügen, ohne das rauszuschneiden, was der Autor so hatte. Bei einem großen Buch, einem Roman, müssen viele interessante Handlungsstränge gekürzt werden. Es ist klar, dass sie interessant sind, aber sie passen nicht ins Filmformat. Bei Kurzgeschichten ist es einfacher. Gerade jetzt warte ich darauf, dass ein Regisseur oder ein Produzent zu mir kommt und sagt, er möchte gerne eine Kurzgeschichte verfilmen. Ich denke, das wäre interessant.

F: Haben Sie die Verleihung des "Goldenen Adlers" gesehen? [Anm: Russische Auszeichnung für Filme]

A: Nur ganz oberflächlich.

F: Was halten Sie von dieser Auszeichnung?

A: Ich finde sie gut. Eigentlich ist jede Auszeichnung gut. Eine Auszeichnung ist wie ein Ansporn für Drehbuchautoren, Regisseuren und Schauspielern, um weiter zu arbeiten. Nicht alles kann man in Geld und Honoraren messen. Manchmal ist es die Tatsache einer Auszeichnung, die einen viel besser motiviert.

F: Es waren, meiner Meinung nach, fünf Filme als "Bester Film des Jahres" nominiert. Dennoch war "Wächter der Nacht" nicht dabei, obwohl er in der russischen Auswahl für den Oscar war. Erstaunt es Sie?

A: Ich denke, das war ganz richtig so. Nichts für ungut für die tollen Filme, die nominiert wurden. Ich finde, "Wächter der Nacht" fiel aus dem Rahmen des russischen Standardkinos, und es wäre nicht richtig, ihn in die Short List dieser Auszeichnung mit reinzunehmen.

F: Sergej, wir reden hier die ganze Zeit vom Erwachsenenkino. Was halten Sie von der Siuation des Kinderfilms momentan?

A: Wir hatten mal wirklich tolle Kinderfilme. Man kann viele Namen nennen… z.B. Netschajew, der ganz viele wunderbare Märchenfilme machte. Wir hatten eine gute Schule, die jetzt verloren ging. Ich glaube aber, sie wird bald wieder auferstehen. Egal wie schrecklich es klingt, aber die ungerechten Gesetze des Geldes und des Kapitalismus werden die Filmemacher dazu zwingen, wieder Kinderfilme zu drehen. Denn Kinderfilme ist das, wo die Zuschauer reingehen werden, das, was man sich anschauen wird. Ein Produzent, der nicht in Kinderfilme investiert, tut seiner Geldbörse kein Gefallen. Kinderkino ist ein riesiger Markt und ein riesiges Publikum. Ich glaube, bald werden wir viele ausgezeichnete Filme für Kinder haben.

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Deutsche Übersetzung © Peter Klassen 2007.
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