Vom Buch zum Film - Die Unterschiede
Teil 2 - die Charaktere.
Einleitung

Wir setzen die Artikelreihe der signifikanten Unterschiede zwischen der Verfilmung von "Wächter der Nacht" bzw. "Wächter des Tages" durch Timur Bekmambetov fort. Wenn es im
ersten Teil hauptsächlich um die Unterschiede des allgemeinen Dozor-Universums ging, geht es diesmal um die Charaktere.
Charaktere
Anton
Bis auf den Namen hat der Filmcharakter Anton Gorodetsky mit seinem Buchpendant nicht viel gemein. Gemeinsam ist möglicherweise eine gewisse Verletzlichkeit der beiden Charaktere, die hinter einer rauen Schale verborgen ist. Auch sind die beiden ausgeprägte Individualisten und als Magier recht schwach. Auch arbeiten sie im bürgerlichen Leben als Programmierer. Anton im Film ist ein gebrochener Charakter, mit dem man sich in Film 1 nur schwer identifizieren kann. Durch den Gang zur Hexe und die versuchte magische Ermordung seines Sohns wird Anton zu Alkoholiker, Raucher und einem ziemlich unsympathischen Genossen. Er achtet nicht auf seine Kleidung und sieht im großen Ganzen wie ein Penner aus.
Anton aus dem Buch ist ein reflektierender intelligenter Mann, der die Begebenheiten der Welt der Anderen umso mehr in Frage stellt, umso tiefer er in sie hineingerät. Er hat eine Schwäche für Musik und hört bei der Arbeit gerne seinen Player auf Shuffle. Yegor ist im Buch nicht Antons Sohn; dafür hat er ein anderes Kind, das zu einer großen Anderen werden kann – seine Tochter Nadezhda, die er mit Svetlana bekommt.
In der FOX-Fassung des Films "Wächter der Nacht" wurde Anton zu einem Seher gemacht (damit er auch nur irgendeine richtige magische Fähigkeit bekommt). Sein Beruf als Programmierer wird in dieser Filmfassung übrigens nicht erwähnt, außer in seiner Personalakte (in Russisch).
Yegor
Im Buch ist Yegor ein sich nicht für eine Seite entschiedener Anderer, der anfangs hohes magisches Potential verfügt. Weil ihn das Status Quo des Wächter-Abkommens stört, gesellt er sich zu keiner der beiden Seiten. Als er infolge von Maxims Angriff zum Dunklen bekehrt wird, löscht Svetlana seine Initiierung mit Hilfe der Kreide des Schicksals. So bleibt er dann, als unentschlossener Anderer, der immer mal wieder im Buch auftaucht. Im 4. Buch
6 wird er Zirkuszauberer. Im Film ist Yegor der Sohn von Anton, den er bei der Hexe versucht hatte, abzutreiben. Durch diesen Mordversuch wendet sich Yegor zum Dunklen und kommt unter Zavulons Fittiche, wo er als neuer Großer Anderer heranwächst. Am Tag seines 12. Geburtstags wird er als Großer Dunkler inauguriert und tritt eine Welle von Zerstörung los, die ganz Moskau verwüstet.
Geser

Im Buch wirkt Geser wie ein ca. 40jähriger Geschäftsmann orientalischer Abstammung. Er lebte eine lange Zeit im Mittelasien und kam erst vor 400 Jahren nach Russland – wegen seiner Liebe zu Olga.
Im Film wirkt Geser dagegen wie ein typischer Parteigenosse der KPdSU. Er spricht zwar Kasachisch und kennt Zoar, Tamerlans rechte Hand, persönlich
1, doch seine Geschichte bleibt im Dunklen. Seine Beziehung zu Olga wird nur an einer Stelle erwähnt.
Im Film ist Geser nur sein Nachname und steht auf dem Schild an der Bürotür; im Buch ist das dagegen sein geheimer Zwielichtname, den nur höhere Anderen erfahren dürfen. Auch unterscheidet sich sein bürgerlicher Name im Film: im Buch heißt er Boris Ignatyevich, im Film – Boris Ivanovich. (im Buch hieß sein Vater also Ignat, im Film hieß er Ivan).
Zavulon
Im Buch wirkt er wie ein intelligenter und ruhiger Geschäftsmann im schlichten Anzug. Im Film ist der Charakter eigentlich recht gut gewählt, dennoch bevorzugt der Chef der Dunklen einen anderen Stil: mal hat er eine Pennerkleidung an, mal sitzt er in einer durchgelatschten Trainingshose herum, mal hat er eine gebleichte Punkerfrisur.
Der Unterschied zwischen der deutschen Buchübersetzung "Sebulon" und dem Filmnamen "Zavulon" stammt daher, da der Filmname 1:1 aus dem russischen übernommen wurde. Der russische Name "Zavulon" ist jedoch auch nur eine russische Übersetzung des biblischen Namens, der in Deutsch "Sebulon" lautet – was im Buch dann korrekt wiedergegeben wurde.
Alisa
Im Buch ist es eine Hexe im Dienste der Tagwache, die eine Affäre mit Zavulon hat. Im Film ist sie (abgesehen davon) ein Popstar. Im Buch verachtet Alisa die Vampire und erleidet einen tragischen Schicksal: als sie ihre Zauberkraft ganz herausgibt und die Fähigkeiten der Anderen vorläufig verliert, verliebt sie sich in einen genauso verausgabten Lichten Anderen Igor. Diese Liebe endet tragisch, Alisa stirbt
3. Im Film verliebt sie sich dagegen in Kostya, den jungen Nachbarn von Anton.
Rein äußerlich ist Alisa im Buch rothaarig, im Film brünett.
Svetlana

Im großen Ganzen ist der Charakter von Svetlana buchgetreu. Sie ist im Film, wie im Buch eine sanfte und gütige Frau, die jedoch über ein mächtiges magisches Potential verfügt. Im Buch hat sie jedoch keinen Gegenpart von der Dunklen Seite aus – deswegen kommt den Dunklen der sogenannte „Spiegel“ Viktor Rogoza zu Hilfe
3
Tigerjunges
Die mächtige Lichte Gestaltwandlerin ist im Buch nicht mit dem Bär liiert (obwohl sie die besten Freunde sind). Außerdem hat sie im Buch schwarze Haare und nicht blonde. Im Buch stirbt sie in der 2. Geschichte von WdT.
Bär
Im Film wurde dem Lichten Gestaltwandler Bär der Name "Ilya" gegeben. Im Buch gab es einen Lichten Magier Ilya, der jedoch nicht mit Bär identisch war. Im Film wird nie gezeigt, wie Bär seine Gestalt ändert.
Semyon
Ein Volltreffer! Sein Filmcharakter trifft den Nagel auf dem Kopf. Völlige Übereinstimmung.
Ignat
Ignat wird im Buch als ein Lichter Inkub bzw. Sukkub beschrieben (ein Magier, der für Frauen bzw. Männer sexuell unwiderstehlich ist). Im Buch ist er sogar eher homosexuell veranlagt. Er wird eingesetzt, um Personen durch seine sexuelle Anziehung zu „entspannen“.
Im Film kommt Ignat nur in der russischen Fassung vor (aus der FOX-Fassung wurde er ganz geschnitten) und wird genauso eingesetzt: um sich an Svetlana ranzumachen, sie zu betören und dadurch den Wirbel zu entspannen. Da er dabei keinen so guten Job macht, wird er im Film 2 zum Bewacher des Archivs der Nachtwache degradiert.
Im Buch ist Ignat blond, mit dem Körper von Apoll und dem Gesicht eines Filmschauspielers. Im Film hat er eine Glatze und eine schlecht sitzende schwarze Perücke; er arbeitet als Beleuchter im Ballett.
Maxim
Im Buch ist Maxim ein nicht initiierter Magier, der nur dunkle Anderen erkennen kann und sie mit einem Holzmesser umbringt. Am Ende vom 2. Buchs von WdN versucht er, den nicht entschlossenen Yegor zu töten, was Anton verhindert. Maxim wird in die Inquisition aufgenommen.
Im Film ist Maxim der Sohn der Nachbarin von Svetlana, die im ersten Teil stirbt. Durch Svetlana vom Tod seiner Mutter unterrichtet, verliert Maxim die Fassung – und da er als Techniker in einem Kraftwerk arbeitet, explodiert es wegen Überhitzung.
Kostya

Kostya ist im Buch sowie im Film Antons Nachbar. Er studiert Biologie, um herauszufinden, wie er als Vampir ohne menschiches Blut auskommt. Sowohl im Buch, als auch im Film ist er darauf stolz, Vampir zu sein – jedoch ist er im Film agressiver und greift um ein Haar Svetlana an
2.
Kostyas Vater
Im Buch heißt Kostyas Vater Gennadi Saushkin. Er arbeitet als Bauarbeiter und ist ein vorbildlicher Vampir, der stets die Statuten der Wächter befolgt. Im Film ist es nicht anders – nur dass er dort Metzger ist, und Valeri Sergeyevich Petrov heißt. Sowohl im Film, als auch im Buch versucht er sich anzupassen - wobei er im Film mehr darauf aus ist, seinen Sohn davor zu schützen, vollwertiger Vampir zu werden.
Im dritten Teil werden wir auf die Unterschiede in der Handlung eingehen.
Referenzen
1Vgl. "Wächter der Nacht" (Film)
2Vgl. "Wächter des Tages" (Film)
3Vgl. "Wächter der Nacht" (Buch)
4Vgl. "Wächter des Tages" (Buch)
5Vgl. "Wächter des Zwielichts" (Buch)
6Vgl. "Wächter der Ewigkeit" (Buch)
© Peter Klassen 2007.
Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Erlaubnis!