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Sergej Lukianenko liest

Sergej Lukianenkos Lesung in München

Russischer Autor liest "Das Schlangenschwert"

Eine halbdunkle Halle, Schritte hallen unter der hohen Decke wieder. Das ehemalige Fabrikgebäude unter Birketweg, 5 erinnert nur wenig an das luxuriöse München. In der Dunkelheit stehen Stuhlreihen, nur ein Tisch zwischen zwei dekorativen Flächen ist durch Lampen beleuchtet. Um den Tisch herum stehen wundersame Figuren aus Stahlröhren, Altmetall und Bremsscheiben – in Form von Raketen und merkwürdigen Raumschiffen, in Russisch mit „Kosmos“, „Sojus“ und „Saljut“ beschrieben.
 
KOSMOSIn dieser Halle, die neben etlichen weiteren Underground-Clubs unter Birketweg 5 zu finden ist, findet eine Buchlesung von „Tancy na snegu“ (deutsch „Das Schlangenschwert“) statt – unter Teilnahme des Buchautors. Der Saal ist noch halbvoll, nur die Hälfte der Stühle ist belegt. Der Autor, der russsische Schriftsteller Sergej Lukianenko, für dieses Buch mit den internationalen Buchpreis „Corine 2007“ ausgezeichnet, sitzt bereits am Tisch und blättert gedankenversunken die russische Ausgabe des Buches. In der Nähe haben sich die Leute des Verlags BELTZ niedergelassen, mitsamt der Übersetzerin Christiane Pöhlmann, die bisher fast alle Bücher Lukianenkos ins Deutsche übertragen hatte – ironischerweise bis aufs „Schlangenschwert“.
 
Im Flur steht ein Stand, wo man das Buch sowie das gerade erschienene Hörbuch erwerben kann. Von vielen Menschen, die gegen Abend zum Birketweg kommen, gehen nur wenige Grüppchen zur Lesung – die meisten jungen Menschen gehen weiter, um sich in anderen Clubs der Bassbeschallung hinzugeben. Dennoch wird der Saal voll. Nach der kurzen Begrüßung durch den russischen Konsul in München sowie durch den Verlag beginnt das größte Ereignis des Abends an.
 
Dimitri SchaadDie Lesung wurde in zwei Sprachen versprochen, russisch und deutsch – es wird spannend, wie es realisiert wird. Die Zuschauer werden nicht enttäuscht. Zuerst liest Sergej Wassiljewitsch in Russisch, von Anfang an, die Abschiedsszene von Tikkirej von seinen Eltern. Danach beginnt Dimitri Schaad, zu lesen – ein junger Schauspieler von der Bayrischen Theater-Akademie – er liest die deutsche Fassung desselben Kapitels. Obwohl Schaad, genau wie Lukianenko, aus Alma-Ata stammt, verrät nicht der Hauch eines Akzents seine Abstammung. Der tiefe Bariton des Schriftstellers und der jugendhafte Tenor des Schauspielers kontrastieren auf eine originelle Weise; nebenbei kann man die Unterschiede zwischen Original und Übersetzung ausmachen, wenn man bilingual ist. Die Zuschauer (Deutsch- und Russischsprachler) hören gebannt hin, egal welche Sprache dran ist. Selbst die Kellnerin hat Angst, eine Flasche Cola zu laut zu öffnen…
 
Signierstunde…als die beiden Vorleser zur spannenden Stelle kommen – Tikkirej hat es geschafft, als Rechnermodul auf einem Transporter anzuheuern – endet das Märchen. Es beginnen Fragen der Zuschauer (obwohl nicht so zahlreich wie man annehmen könnte). Ein russischer Zuschauer erzählt, dass seine Frau, eine Deutsche, ihn auf die Bücher aufmerksam gemacht hatte, und er sie zuerst in Deutsch gelesen hat. Ein älterer deutschsprachiger Mann interessiert sich, wie der Beruf als Psychiater hilft, Bücher aus Kinderperspektive zu schreiben. Frau Pöhlmann gibt ihr bestes, bei der Übersetzung der Fragen und Antworten zu helfen.
 
Russischer Konsul ist auch FanZum Schluss beginnt eine russische Discothek, die aber wenig Beachtung findet. Die Zuschauer, inklusive des Konsuls, stellen sich in eine Schlange auf, um ein Autogramm zu ergattern oder ein Foto zu machen. Und noch lange beantwortet Sergej Wassiljewitsch die Fragen vieler Leser draußen auf der Treppe: er erzählt so einige interessaten Anekdoten vom Dreh der „Wächter“-Filme, erzählt, wie „Wächter des Tages“ zusammen mit Wladimir Wassiljew geschrieben wurde… Schließlich leert sich die Halle, die Russendisko-Musik tönt im leeren Saal, alle verabschieden sich. Lukianenko fährt zusammen mit der Übersetzerin und den Verlagsleuten in einem Taxi fort – morgen findet die feierliche Zeremonie von Corine2007 in einer etwas anderen Umgebung, etwas feierlicher als eine halbdunkle alte Fabrik. Aber auch hier war es klasse.
 
Ort des Geschehens

 
© Peter Klassen 2007.
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