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Wächter des Tages - Dnevnoi Dozor
 
Warum weht der Wind?
Um die Spuren zu verwischen, wo wir gegangen.
Damit niemand denkt, dass wir gelebt haben.
Lange ist es her,
Und niemand erinnert sich nunmehr,
Als auf der Brücke des Gesetzes die Krieger des Lichtes und die Krieger der Dunkelheit aufeinandertrafen.
Wie Blut vergossen wurde.
Wie das Herz des Grossen Dschassars es nicht aushalten konnte,
Und er den Krieg stoppte.
Doch eines Tages kommt ein neuer Großer Anderer,
Und die Welt wird in die Finsternis stürzen.
Und nichts wird sie retten können,
Außer der Kreide des Schicksals.

Prolog der russischen Originalversion

 
Lange ist es her, seit die Ereignisse des ersten Films auf dem Dach von Yegors Haus endeten. Eineinhalb Jahre sind vergangen, es ist kurz vor Neujahr 2006, und in Moskau brodelt es vor einer Ansammlung nicht-registrierter Anderer. Doch derweil hat unser Held Anton andere Sorgen. Er muß die Praktikantin Svetlana ausbilden (diejenige, die bei Wächtern der Nacht fast ein Flugzeug abstürzen ließ), die das Potential zu einer Großen Anderen hat. Bei einem Routine-Auftrag stoßen sie auf einen Dunklen Anderen, der Lebenskraft aus seinen Opfern durch eine Nadel aussaugt – er stellt sich als Antons Sohn Yegor heraus, der im letzten Teil unter Zavulons Fittiche kam. Yegor ist ebenfalls ein potentieller Großer Anderer, jedoch auf der Seite des Dunkels. Anton wird nun hier- und hergerissen, zwischen den Schuldgefühlen seinem Sohn gegenüber und seiner Zuneigung zu Svetlana. Derweil passiert in Moskau ein Mord an einer Dunklen Anderen. Die Hexe Alisa beginnt mit der Ermittlung, und stellt bald fest, dass alle Indizien auf Anton Gorodetsky als Mörder hindeuten. Erschwerend kommt hinzu, dass Anton kein Alibi hat und die Ermordete Yegors Erzieherin war. Die Ereignisse überschlagen sich, als Yegor bei der Feier seines 12. Geburtstags zum Grossen Anderen initiiert wird, mit zerstörerischen Folgen…
 

Rezension

Zavulon und AntonEineinhalb Jahre nach dem Kinostart von „Wächter der Nacht“ wurde die Fortsetzung in die russischen Kinos gebracht. Dann brauchte es wieder über eineinhalb Jahre, bis der Film auch hierzulande ankam. Der Titel war bis kurz vor Kinostart „Wächter der Nacht 2 – Die Kreide des Schicksals“ – so wurde er im Abspann des ersten Teils sowie im Teaser beworben. Das führte logischerweise zu Verwirrungen – der Film basiert nämlich nicht auf Lukianenkos Buch "Wächter des Tages", sondern auf Geschichten zwei und drei aus dem Buch „Wächter der Nacht“. Doch sei's drum, gehen wir zum Film über.
 
Negatives gibt es zwar auch aus Teil 2 zu berichten. Der Film funktioniert nur zusammen mit dem Prequel. In dieser Hinsicht steht „Wächter des Tages“ ganz in Tradition russischer Mehrteiler, die einfach aufeinander folgen, ohne die Einführung der Charaktere in jedem neuen Film vom neuen zu beginnen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Charaktere, die im Teil 1 auftauchten, auch im Teil 2 zu Ende geführt werden. Rückblickend erweist sich das aus sogar für „Wächter der Nacht“ aufwertend – aber wer die Fortsetzung anguckt, ohne Teil 1 zu kennen, wird vermutlich schnell aus der Bahn geworfen.
 
Für Buchkenner, die über die Abweichungen von Teil 1 schimpften, gibt es ebenfalls keinen Grund zur Freude. Auch wenn „Wächter des Tages“ lose die Handlungen von den beiden letzten Teilen des „Wächter der Nacht“-Buchs beinhaltet, ist der Film eine totale Abkehr von der literarischen Vorlage – was im Finale noch mal verdeutlicht wird. Allerdings wird unter Kennern gemunkelt, das Finale wurde von FOX so aufgezwungen, denn der dritte Teil soll in USA gedreht werden – und da wollte man die russische Handlung komplett abgeschlossen haben. Aber irgendwie mag ich dieses Finale – inklusive dem Abspann. Der rockt einfach.
 
Apokalypse in MoskauWas beim Film auch noch sehr positiv auffällt, sind Verbesserungen beim Storytelling. Wirkte der erste Film teilweise wie ein verwirrender und unbalancierter Zusammenschnitt, so ist der zweite Teil erheblich runder im Eindruck. Die Effekte nehmen qualitativ zu, aber lenken nicht von der Hauptstory ab. Die Story-Stränge sind zwar nach wie vor viele, und verflechten sich wie ein orientalischer Teppich aus Tamerlans Behausung, aber man verliert sich nicht darin, und, das wichtigste, ist nicht gelangweilt. Auch sollte man erwähnen, dass das im ersten Teil recht penetrante Product Placement erheblich zurückgenommen wurde – es ist zwar noch da, aber subtiler, ironischer – wie der ganze Film.
Generell ist „Wächter des Tages“, wie sein Titel schon andeutet, von einer etwas helleren Stimmung. Mehr Szenen spielen am Tag, und die allgemeine Atmosphäre ist leichter und humorvoller. Wenn der Oberhaupt der Dunklen, Zavulon (Viktor Verzhbitsky) an seinen Untertanen vorbeispaziert und von leichter, verspielter Musik begleitet wird, wirkt er durchaus sympathisch – und vor allem nicht wie ein klischeehafter Bösewicht aus Teil 1. Es gibt mehr humorvolle Szenen, wie die Szenen zwischen dem Vampir Kostya (Alexei Chadov) und seinem Vater (Valeri Zolotukhin); oder etwa beim Subplot, als Anton gezwungen ist, mit seiner Kollegin Olga (Eule aus Film 1) die Körper zu tauschen – übrigens, eine der stärksten Darstellungen von Bodyswitching durch Galina Tyunina. Selbst die Sängerin Zhanna Friske, die Alisa spielt, wirkt im Teil 2 überzeugender, als im ersten Teil. Am meisten jedoch profitiert Anton Gorodetsky, der gebrochene Antiheld des ersten Teils. Die Darstellung durch Konstantin Khabensky wirkt um vieles sympathischer und wärmer, als im Vorgänger – ohne dass Anton jedoch zu einem gänzlich anderen Charakter wird.
 
Noch etwas zu den Effekten in diesem Film. Es gibt wieder eine Fülle an CGI-Effekten, inklusive die totale Zerstörung Moskaus – und das, obwohl das Budget gerade mal 4 Mio. Dollar betrug. Fürs Auge gibt es vieles: ein Mazda, das auf einer Hotelwand entlangfährt, eine fulminante historische Schlacht im Mittelasien, ein Beinahe-Flugzeugabsturz, die Zerstörung von ganz Moskau, – doch mein Lieblingseffekt ist letztendlich der letzte im Film, bei dem es nicht einmal um spektakuläres Zerstören geht – eine Szene, bei der ein dreckiges russisches Reihenhaus wieder aufersteht, und der Bogen zum Beginn des ersten Teils geschlossen wird. Und die Gestaltung des Abspanns ist die kreativste, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Wie ich schon sagte, er rockt.
 
Interessant ist übrigens, dass viele Szenen aus „Wächter des Tages“ zusammen mit „Wächter der Nacht“ gedreht wurden, also noch in 2002-2003. Die Szene, in der Zavulon von einem O-Bus angefahren wird, kam bereits in russischen Werbetrailern für „Die neue TV-Serie - Nochnoi Dozor“ im Jahr 2003 vor (und dann noch mal im Abspann von „Wächter der Nacht“ als Ankündigung für „Wächter der Nacht 2“). Aber fast überall funktionieren die alten und die im 2005 nachgedrehten Szenen ziemlich gut zusammen.
 
YegorEtwas sollte man noch zu der FOX-Schnittfassung sagen, die auch hierzulande in die Kinos kommt. Diese Fassung ist um 18 Minuten gegenüber der russischen Version gekürzt. Hört sich nach viel an, man merkt es aber kaum. Allerdings wird die Fassung durch die Kürzungen etwas glatter. Fast sämtliche Szenen, die als kontrovers aufgefasst werden könnten, wurden aus dem Film verbannt – sei es die Gewalt oder der Humor. Leider fehlen dem Film in dieser Fassung dadurch einige sehr interessante Ecken und Kanten, und eine ikonische Szene betrifft es ganz besonders: wenn Anton auf Yegors Party zur Bühne geht, einer Playback-Sängerin ihr Mikro entreißt und beginnt, stattdessen ein Lied der sowjetischen Revolutionäre zu singen.
 
Was die Übersetzung angeht – von der englisch untertitelten Version, die FOX in den Pressevorführungen zeigte, kann man nur abraten. Die Untertitel darin sind zwar schön animiert, sind sinngemäß meilenweit von dem entfernt, was die Charaktere eigentlich sagen – Humor wurde glattgebügelt, ganze Dialoge verändert, dafür wird den Charakteren immer wieder überflüssige Exposition in den Mund gelegt: „Das ist so, weil Sveta eine Hohe Andere ist, und Yegor ist auch einer, und wenn sie sich begegnen, beginnt der Krieg, yada yada yada.“ Bleibt zu hoffen, dass sich die deutsche Synchro enger an die Dialoge der russischen Fassung halten wird, als die englischen Untertitel. Leider fiel in der FOX-Fassung auch der wunderschöne poetische Prolog der Schere zum Opfer und wurde durch eine gewöhnliche „Was im ersten Teil geschah“ - Zusammenfassung ersetzt. (Den Originalanfang kann man immerhin auf der deutschen DVD von „Wächter der Nacht“ in der Special Edition sehen).
 
Fazit
 
Insgesamt also ist "Wächter des Tages" ein runderer, humorvollerer Film, der eher den Ton des ironi-schen russischen Abspanns von "Wächter der Nacht" trifft, als den düsteren Ton des englischen Abspanns vom selbigen Film. Und das Finale schließt den Kreis sehr elegant – selbst in der kürzeren FOX-Version.
Anton

 
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