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Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor
 
Seit uralten Zeiten jagten die Ritter, die sich selbst die Krieger des Lichts nannten, Hexen und Zauberer, die die Menscheit geißelten.
Doch eines Tages standen auf ihrem Wege die Krieger des Dunkels.
Und keiner wollte weichen.
So begann eine Schlacht, blutig und gnadenlos.
Und da diese Schlacht den Himmel erreichte, sah der Große Geser, dass die Kräfte gleich stark waren, und wenn dem Kampf nicht Einhalt geboten wird, alle untergehen würden.
Und so unterzeichneten die Kräfte des Lichts und die Kräfte des Dunkels einen Vertrag.
Und es wurde gesagt, dass von diesem Tag an, weder Gutes noch Böses ohne gegenseitiges Einverständnis getan werden dürfe.
Und es wurde gesagt, dass es die Wächter des Tages geben werde, die die Kräfte des Lichts überwachen.
Und es wurde gesagt, dass es die Wächter der Nacht geben werde, die die Kräfte des Dunkels überwachen.
Doch in ein Tausend Jahren, kommt ein Großer Anderer, und wird die Seite des Dunkels einnehmen.
Und die Welt wird in die Finsternis stürzen…

Prolog der russischen Originalversion

 
Moskau im Jahre 2004. Die Welt, die wir kennen, ist nur die Außenschale. Es gibt eine zweite Parallelwelt: das Zwielicht, in den nur diejenigen treten können, die anders sind, als die Menschen – nämlich die Anderen. Die Anderen sind Menschen mit Zauberkräften: auf der Seite des Lichts sind Magier, Heiler, Formwandler; auf der Seite des Dunkels – Vampire, Hexen, dunkle Zauberer. Unbemerkt von den Menschen leben sie in ihrer Mitte, und bekriegen einander in einer Art Kaltem Krieg. Zwei Institutionen wachen über das Gleichgewicht des tausendjährigen Abkommens über den Waffelstillstand: die Nachtwache (die aus Lichten bestehen und über die Dunklen wachen) und die Tagwache (die dasselbige, nur umgekehrt, tun).
Anton Gorodetsky ist ein operativer Mitarbeiter der Nachtwache, seit er vor 12 Jahren nach einem traumatischen Erlebnis als ein Anderer entdeckt wurde. Von einem warmen Programmiererjob wird er endlich zu einem richtigen Auftrag geschickt: einen ohne Lizenz wildernden Vampir verhaften. Doch bei der Verhaftung kommt es zum Kampf; der Vampir kommt dabei um. Dabei macht Anton Bekanntschaft mit dem Opfer des Vampirs, dem Jungen Yegor. Ein Unheil droht aber auch von einer anderen Seite: eine Frau wurde anscheinend mit einem solch starken Fluch belegt, dass er eine Katastrophe auslösen könnte – und dabei wäre ein Flugzeugabsturz noch das mindeste. Als Krönung des Ganzen wollen Zavulon, der Oberhaupt der Tagwache, sowie die Vampirin Larissa, deren Freund Anton tötete, Rache für dessen Tod. Nicht zu vergessen Yegor, dessen Geheimnis sich mit Antons Erlebnissen vor 12 Jahren eng verflochten ist…
 
…Das Projekt hat eine interessante Geschichte. Es begann im Jahre 2002, als eine 14-teilige Mini-Fernsehserie für den Sender Channel One Russia. Die Serie basierte auf dem Buch von Sergej Lukianenko, "Nochnoi Dozor" ("Wächter der Nacht") und sollte demnach so heißen. Lukianenko schrieb dafür eine erste Drehbuchfassung, und Timur Bekmambetov wurde als Regisseur verpflichtet. Im Frühjahr 2004 war der größte Teil bereits abgedreht und die Postproduction begann. Im russischen Fernsehen liefen bereits Trailer für das kommende TV-Ereignis - die Miniserie "Nochnoi Dozor". Doch es kam anders: im Frühling 2004 entschied Konstantin Ernst, der Vorsitzende von Channel One Russia, dass dieses Projekt nicht als Miniserie, sondern als eine Reihe von Kinofilmen veröffentlicht werde: "Wächter der Nacht" und "Wächter der Nacht 2". Ob ein weiterer Film folgen würde, war noch nicht klar.
 
"Nochnoi Dozor" kam im Juli 2004 in die russischen Kinos, brach sofort alle zuvor dagewesenen Rekorde, und ließ "Harry Potter", "Die Rückkehr des Königs" und viele andere Hollywood-Blockbuster weit hinter sich. Schließlich handelte es sich um Russlands quasi-ersten Blockbuster mit richtigen Special Effects. Die allgegenwärtige Werbung, für die der Fernsehsender Channel One verantwortlich war, tat ihr übriges. "Nochnoi Dozor" war ein Ereignis. Beeindruckt von den Einspielergebnissen hatte 20th Century Fox über ihre Indie-Sparte "Fox Searchlight" sich bereits im August die Rechte für den weltweiten Vertrieb sowie für zwei Fortsetzungen gesichert. Als Ergebnis kam mit einjähriger Verspätung die internationale Version des Films in die Kinos, mit dem internationalen Titel "Night Watch". Diese Version wurde vom Regisseur zusätzlich bearbeitet, um es dem westlichen Publikum leichter zu machen, den Film zu verstehen – näheres dazu finden Sie im Schnittbericht.
 
Rezension
 
Was kann man nun also halten vom Film "Wächter der Nacht"? Abgesehen vom Hype in Russland und dem eher moderaten Ergebnis außerhalb, wenn man den Film für sich alleine betrachtet, kommt er nicht sonderlich gut weg.
Der Regisseur versteht sein Handwerk gut, und setzt als routinierter Werbefilmer sehr gekonnt Moskau in Szene. Viele der Tricks sind in der Tat aus der Werbung bekannt, und so erinnert Bekmambetovs Stil bisweilen an Michael Bay. Videoclipartige Slow-Motion und Zeitraffer, gepaart mit Heavy-Metal-Musik und CGI-Special-Effects – das alles sind hier Zutaten. Doch Zutaten für sich machen noch kein ganzes Gericht – und bei "Wächter der Nacht" mangelt es schlicht einfach an der richtigen Balance. Actionlastige Kabumm-Szenen wechseln sich mit langsamen Dialogszenen ab, die den Film teilweise zum Halt bringen. Die vielzitierte Niete, die sich vom Flugzeug löst und fünf Minuten lang durch die Luft wirbelt, mag ein schöner CGI-Effekt sein – aber irgendwie zu ausgedehnt. Charaktere werden eingeführt, und dann "vergessen". Im großen Ganzen hinterlässt der Film am Ende einen rohen, etwas unfertigen Eindruck. Andererseits hebt sich der Eindruck mit dem zweiten Teil teilweise auf, denn dort werden Charakterbögen, die in Teil eins unfertig hängen bleiben, allesamt aufgelesen und abgeschlossen.
 
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Film für Nicht-Buchkenner etwas verwirrend erscheinen mag. Die ineinander verwobenen Storylines: Antons Vergangenheit, Yegor, die Vampirin, Svetlana und der Wirbel – machen es teilweise schwer, dem Geschehen zu folgen, und verlangen viel Aufmerksamkeit ab. Wenn man das Buch kennt, wird man etwas schlauer – ärgert sich aber gegebenenfalls über die Abweichungen von eben jenem Buch – so kommt es zu einem Teufelskreis.
 
Aber es ist nicht alles so schlecht, wie es sich anhört. Auch wenn der Film eine auf den ersten Blick unüberschaubare Anzahl an Charakteren hat, hat der Regisseur beim Casting hervorragendes Händchen bewiesen. Die Darsteller sind allesamt Spitze. Charaktere, die eine kurze Screentime von wenigen Szenen bekommen (wie z.B. der Vampir, Kostyas Vater, gespielt von Schauspielerlegende Valeri Zolotukhin), schaffen es, ein Bild im Kopf zu hinterlassen, das haften bleibt. Von solchen prägnanten Bildern gibt es so einige. Geser (Oscar-Preisträger Vladimir Menshov) am Schreibtisch, der wirkt wie ein Parteikader aus vergangenen Zeiten; Olga (Galina Tyunina), die einerseits eine weise Zauberin in Eulengestalt abgibt, andererseits mit einem modernen Seifenspender ihre Mühe hat. Und natürlich Anton Gorodetsky (Konstantin Khabensky), der schwer zugängliche Hauptcharakter, der oft unsympatisch wirkt, aber dennoch etwas Verletzliches hat, was ihn gleich sympathischer macht.
 
Bekmambetov schafft andererseits, durch Verstärkung der Kontraste, ein glaubhaftes Universum der Wächter zu schaffen. Lukianenkos Vision von den Dozoren ist klassisch magisch – die Anderen wirken wie normale Menschen, nur im Zwielicht offenbaren sie ihr anderes Wesen. Die Lösung des Regisseurs war, starke Bilder zu schaffen, die die Dozore voneinander unterscheiden. So werden in Moskau normale gelb-rote Reparatur-Lastwagen seit 2004 fest mit Gorsvet und der Nachtwache verbunden. Dafür geben sich die Dunklen Anderen wie Banditen oder Promis, die im realen Russland der 90er ohnehin eng verzahnt waren.
 
Einige Worte zur FOX-Fassung. Der Eindruck davon ist zwiespältig: einerseits wurde sie im Schnitt und Dialogen erheblich vereinfacht, um das Verständnis der Zuschauer, die mit Lukianenkos Bestseller noch nicht vertraut sind, zu fördern. Unter anderem sind dort zwei Handlungsstränge rausgeflogen, sowie viele kleinere Umschnitte und Neusynchronisationen vorgenommen worden (vgl. "Schnittbericht"). Andererseits fehlt dadurch die Tiefe, aus einem Dozor-Universum wird ein schlichtes Gegeneinander von Gut und Böse, alles zwar nett erklärt - und dennoch verwirrend.
Außerdem fehlt in der FOX-Version ein meiner Meinung nach geniales Feature der russischen Fassung – der finale Rap "Nochnoi Dozor" aus dem Abspann. Dieser postmoderne witzige Rap von Sergei Lukyanenko persönlich fasst die Handlung des Films in 2 Minuten zusammen und entlässt den Zuschauer in einer positiven Stimmung – was man von der FOX-Version nicht behaupten kann. Den Original-Rap mit Untertiteln inklusive seiner vollständigen Entstehungsgeschichte gibt es im Abschnitt "Fun".
 
"Die Schnittfassung von FOX ist seltsam: sie ist maximal vereinfacht worden, paßt aber trotzdem nicht ins Hollywood-Schema. Andererseits verliert sie dadurch etwas Besonderes, Eigentümliches, das die russische Version auszeichnete."
Sergej Lukianenko

 

 
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